project: equinoX - Das deutschsprachige DVD und Film Projekt im Internet
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Im Jahr 41 nach neuer Zeitrechnung ist nach dem nuklearen Holocaust das Wasser auf der von Hitze und Trockenheit geplagten Erde knapp geworden und das „Protektorat“ kontrolliert die Reserven des wertvollen Rohstoffs mit eiserner Hand und zwingt die wenigen Überlebenden mit einer restriktiven Versorgungspolitik und Waffengewalt zu unbedingten Gehorsam. In dieser schrecklichen Zeit leben neben zahlreichen Gruppen im Untergrund auch eine Clique von rollschuhfahrenden Jugendlichen, die sogenannten „Solarbabies“ in einem staatlich geführten Waisenhaus heran und vertreiben sich die Zeit zwischen Drill und staatlich verordneter Gehirnwäsche mit futuristischen Sportarten und versuchen trotz unbestimmter Herkunft und unbestimmter Zukunft ein halbwegs gutes Leben zu führen.
Dieses ändert sich schlagartig, als der kleine Daniel (Lukas Haas) eines Tages nach einem illegalen und von der E-Polizei aufgelösten Match mit einer gegnerischen Mannschaft auf der Flucht einen mysteriösen Energieball findet, der auf telepathische Weise mit dem Junge kommuniziert. Der Energieball stellt sich als Bodei vor und ist eine uralte Kraft, die der Legende nach bereits vor Urzeiten auf die Erde gekommen ist um Gutes zu tun und auch die Fähigkeit besitzt, Materie und Wasser zu kontrollieren. Daniel ist von seinem neuen Freund mit den sonderbaren Fähigkeiten begeistert und zeigt den Ball auch wenig später seinen Freunden, die zuerst ihren Augen nicht trauen können, als Bodei in einem geschlossenen Raum dafür sorgt, dass es regnet und die jungen Leute erstmals in ihrem Leben dieses Naturphänomen beobachten könnten.
Doch die Existenz des Balles bleibt natürlich nicht lange verborgen und als der schweigsame Darstar (Adrian Pasdar) schnappt sich die Kugel um so auch eine uralte Prophezeiung seiner Ahnen in Gang zu setzen und flieht in die unendliche Wüstenlandschaft. Wenig später nimmt die Kugel auch wieder Kontakt zu Daniel auf, dem ebenfalls die Flucht aus dem hermetisch und als das Verschwinden der Beiden bemerkt wirkt, befiehlt der Striktor Grock (Richard Jordan), dass nach den beiden gefahndet wird und greift dabei auch auf professionelle Kopfgeldjäger zurück. Doch auch die restlichen Leute der Clique sieht dem Treiben nicht tatenlos zu und die Truppe um Jason (Jason Patrick), Terra (Jami Gertz), Rabbit (Claude Brooks), Metron (James Le Gros) und Tuck (Peter DeLuise) macht sich auf um Daniel und die Kugel zurückzuholen und landen geradewegs im Abenteuer ihres Lebens...
Es gibt in der Kindheit eines jeden Genre-Filmfreundes wohl immer den einen, ganz besonderen Streifen, der sich aufgrund seiner Charaktere, der Geschichte und/oder sich auf andere Weise besonders einprägt hat. Oftmals hat man den Film so oft gesehen hat, dass die wie ein Augapfel gehütete VHS schon ganz abgenudelt war und man besonders spannenden Szenen im heimischen Gemächern mit Freunden nachgespielt hat. Auch wenn sich diese Filme mit vielen Jahren Abstand dann oftmals ganz anders präsentieren und man sich fragt, was man in jungen Jahren daran so besonders gefunden hat, so haben diese Filme doch auch einen ganz speziellen Platz im Herzen eines jeden Filmfans und nicht wenige denken gerne an diese damals noch unbeschwerte Zeit und Phase des Entdeckens von speziellen und mitunter nicht ganz Alters-adäquaten Filmvorlieben zurück.
Liest man die Stimmen zu „Solarfighers“ im Netz, so fällt gerade dieser Streifen wohl besonders oft in diese Kategorie und der US-amerikanische Sci-Fi-Streifen „Solarfighters“ ist auch ein Konstrukt wie es wohl nur in den Achtzigern entstehen konnte und verbindet in einem gar nicht mal so harmlos ausgefallenen Geschichte Rollschuh-fahrende Kids und eine wundersame Energiekugel mit einer finsteren Dystopie und Bösewichten, die man ansonsten eher nur aus Filmen kennt, die sich an ein Publikum richten, dem man zu damaligen Zeiten alterstechnisch noch nicht so ganz angehörte. Doch irgendwie funzt die Mischung aus „Goonies“ und „Mad Max“ ja überraschend gut und die Zeiten waren Mitte der Achtziger ohnehin günstig für mutige Teenager, listige Archäologen und sonstige Draufgänger, die sich Hals über Kopf in turbulente Abenteuer mit einer Prise Übernatürlichkeit stürzen und nebenher auch noch kurz die Welt vor irdischen und überirdischen Bösewitchten retten.
Das Szenario von „Solarbabies“, dessen deutscher Titel „Solarfighters“ ja etwas ähm… männlicher klingt ist auch recht gelungen und bietet trotz der eher kuriosen Mischung eine kurzweilige Geschichte mit ökologischer Botschaft, bei der die Sympathien auch klar verteilt sind und sich fast jede Gefahrensituation für die Sympathieträger auch immer rasch auf positive Weise und ohne viel Blutvergießen auflöst. Zwar wirken manche Dinge auf ein sehr junges Publikum sicher auch etwas bedrohlich, aber bis zum obligatorischen Happy-End dürfen sich die Effektmeister, Matte-Painter und Szenen-Bildner auch nach Herzenslust austoben und auch die jugendlichen Darsteller sind immer so voller Optimismus, dass man sich als Zuschauer gerne davon anstecken lässt.
Inszenatorisch ist „Solarfighters“ aus der Produktionsschmiede von Mel Brooks ja sehr gelungen und wenn der Waschzettel der Promo-DVD die Rollschuh-Sause mit den „Hunger Games“ vergleicht, dann ist das auch gar nicht so verkehrt und wer sich heutzutage gerne über gewaltbefreite Action-Filme mit PG-Rating aufregt, sollte nicht vergessen, dass das vor einigen Jahrzehnten nichts Unübliches war, derartige Filme auch an ein sehr junges Publikum zu vermarkten, ehe die Übersättigung an solchen Abenteuerstreifen und die „Political Correctness“ der Neunziger wieder dafür sorgte, dass sich Action-Filme wieder mehr in Richtung Volljährigkeit orientierte.
Auch darstellerisch gibt es nicht viel zu meckern und der jugendliche Cast macht seine Sache auch sehr gut. Jamie Gertz und Jason Patric harmonieren ja so gut, dass die kurze Zeit später auch in dem Vampir-Streifen „The Lost Boys“ gemeinsam mitwirken konnten und auch Lukas Haas ist dem Sci-Fi-Fan aus Tim Burtons „Mars Attacks“ ein Begriff, wo er abermals die Welt vor bösartigen grünen Männchen rettet. Auch die restlichen Darsteller sind gut besetzt und neben dem unvermeidlichen Fels in der Brandung in Form von Charles Durning, gibt sich auch Richard Jordon als machtbesessener Bösewicht Grock ein Stelldichein, den man als Zuschauer dann wie auch Sarah Douglas als Shandray mit Herzenslust alles Böse an den Hals wünschen darf.
Koch Media bringt das kurzweiligen Sci-Fi-Abenteuer, auf den bereits viele gewartet haben auch in absolut würdiger Qualität und schon die DVD hat eine sehr gute Bild- und Tonqualität, die keine großen Wünsche offenlässt. Die FSK 12-Freigabe geht angesichts einer Handvoll etwas herberer Szenen durchaus in Ordnung und als Bonus hat die Scheiben neben dem deutschen und dem englischen Trailer auch noch eine kleine Bildergalerie an Bord. Weiteres Bonusmaterial ist leider nicht an Bord, dafür ist auch die Preisgestaltung moderat ausgefallen.
Unterm Strich bleibt ein turbulentes Abenteuer mit jugendlichen Helden in einem gar nicht jugendfreundlichen Endzeit-Szenario, dass mit seiner optimistischen „Lass dich nicht unterkriegen“-Mentalität, Öko-Botschaft und der Extraportion Rollerskating auch ganz sympathisch ausgefallen ist. Hier kommt zusammen, was nicht zusammengehört und trotzdem ist die ganze Sause trotz breiter Zielgruppe überraschend kurzweilig Wer nicht schon in jungen Jahren Seite an Seite mit den „Solarfightern“ gegen das böse Protektorat gekämpft hat und seine Erinnerungen auffrischen möchte, darf neben mitreißender Geschichte und hübschen Tricks mit Genugtuung entdecken, dass derartige Streifen auch heute noch überraschend gut funktioniert.
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@ Jochen,
vielen Dank für das Review, ist nun auch schon Online: http://chilidog.project-equinox.de/?page_id=9865
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